Was eine Hand aus China mit einem Weg in Okinawa zu tun hat

Karate-Training 20er Jahre in Okinawa, ganz rechts Chojun Miyagi (1888-1953), Gründer des Goju-Ryu Karate

Karate – a looong story…!

Karate wurde vor Jahrhunderten als zivile Selbstverteidigung auf der Insel Okinawa entwickelt. Während das Schriftzeichen für „Kara“ früher “China” bedeutete, wurde es Anfang des 20. Jahrhundert, als Karate in Japan fest eingeführt wurde, mit der Bedeutung „leer“ belegt. Die Aussprache blieb jedoch gleich. Das zweite Schriftzeichen „Te“ bedeutet „Hand“. Somit wurde aus der „Hand aus China“, die „leere Hand“.

Die chinesischen Einflüsse im Karate sind unverkennbar – auch wenn es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, in welchem Umfang das traditionelle (“alte”) Karate aus Okinawa von den chinesischen Budokünsten beeinflusst wurde.

“Bubishi”– doppelseitiger Auszug aus der Übersetzung von Patrick McCarthy.

Das “Bubishi” ist ein Dokument chinesischen Ursprungs. Es ist die erste dokumentierte Beeinflussung der okinawanischen Selbstverteidigungskünste durch chinesische Quellen. Auf Okinawa gibt es mehrere Abschriften, das Original ist in einem alten chinesischen Dialekt verfasst und schwer zu übersetzen.

1937–Training der Shuri Elementary School unter der Leitung von Shinpan Shiroma (Schloß Shuri, Naha/Okinawa)

Bereits im Jahre 1396 wurde eine chinesische Gesandschaft (die 36 Familien) im okinawanischen Dorf Kumemura angesiedelt. Einige Kampfkunsthistoriker gehen davon aus, dass bereits zu diesem Zeitpunkt, ein Austausch zwischen dem okinawanischen Te und dem chinesischen Quan Fa stattfand. Dieser Kontakt blieb auch in den darauf folgenden Jahrhunderten aufrechterhalten, so dass auch spätere Botschafter aus dem Reich der Mitte, wie z.B. Kushanku und Wanshu ihr Können auf die Bewohner der Ryukyu-Inseln übertrugen.

Um ihr Wissen zu vertiefen, reisten einige okinawanische Meister wie z.B. Miyagi Choju, Uechi Kanbun, Higaonna Kanryu nach China, um dann das Erlernte bei ihrer Rückkehr nach Okinawa in ihre eigenen Stilrichtungen einfliessen zu lassen. Ebenso reisten okinawanesische Selbstverteidigungsexperten nach Japan (z. B. Kyushu) um sich dort weiterzubilden (z. B. Jigen-Ryu), so flossen auch diese Erfahrungen in die Kampfprinzipien ein.

Makiwara-Training, 30er Jahre

Nach der Angliederung Okinawas an Japan (in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) verbreitete sich Karate schnell an den japanischen Universitäten. Um diese Popularität zu erreichen, mussten allerdings einige Anpassungen vorgenommen werden, z.B. die Vereinfachung der Kata, das Weglassen von realistischen (martialischen) Partnerübungen und das Entwickeln eines Wettkampfsystems, dass den Übergang vom kämpferischen „Karate Jutsu“ hin zum wettkampforientierten Karate der Neuzeit ermöglichte.

Karate-Training unter Leitung von Miyagi Choju (1888-1953); die Schüler demonstrieren Bunkai/Anwendung Kata “Seifa”

Diese Entwicklung über die sechziger, siebziger bis in die Gegenwart zog nach sich, dass Karate als attraktiver Wettkampf- und Breitensport sich weltweiter Popularität erfreut und die Begeisterung ungebrochen ist.

Parallel dazu fasziniert ist das “alte” Karate mit den Themen: Etikette, Selbstverteidigung und realistisches Kämpfen, Vitalpunkte, authentische Anwendung der Formen (Kata), historische Entwicklung, mentale Stärke und Persönlichkeitsentwicklung bis ins hohe Alter, und hat weltweit eine große Anhängerzahl begeisterter Karateka und Kampfkunst-Interessierter.