Wie Feuer und Flamme

Diskussion zu Lebensgefühl und Lebensrealitität in der DDR – Thomas Hönel (links) mit Thomas Pilz (rechts), im Gespräch mit Jugendlichen des Christian-Weise-Gymnasium Zittau, in der Mitte Moderator Patrick Weißig. Foto: Steffen Golembiewski

»Thomas, würdest Du an einer Veranstaltung zu einem Film teilnehmen, in dem es um Jugendliche in der ehemaligen DDR geht, genauer um Punks in Ostberlin?« Ich grüble, was sage ich am besten, was sage ich zu dem Thema mit dem ich mich sehr schwer tue, und dann noch zu Punks aus Ostberlin, was hatte ich damals mit Punks aus Ostberlin zu tun? »Ok., ich bin dabei.« Nun sitze ich im Zittauer Kronenkino, der Film läuft, die Zeit vergeht wie im Fluge. »Wie Feuer und Flamme« erzählt von einer Ostberliner Punkclicque und der Liebe zwischen der Westberlinerin Nele und dem Ost-Punk Captian. Die Bilder ziehen an mir vorüber, es ist nicht dieser Ost-Blödsinn den ich sonst ab und zu sehe, wenn ich ihm nicht aus dem Weg gehen kann (was ich meistens mache). Hier werden Dinge erzählt, die ich genau so oder so ähnlich erlebt habe.

Meine Freunde und Kumpels sahen so aus, wir hatten eine Bude für unsere Clique, wir hatten Mädels mit dabei, ich hatte die (fast) gleiche Musik gehört. Die DDR war genau so trist und grau, die Stasi-Typen ebenfalls, die Punks witzig, pfiffig, naiv, politisch, hingebungsvoll. Eigene Bilder schießen mir durch den Kopf, Bilder die ich verdrängt, nie aufgearbeitet, nie mit jemandem besprochen habe. Auch ich hatte mich in eine Westfrau verliebt, ,Wie hieß sie doch?’, ging es mir durch den Kopf. Ich habe lange in mir nach ihrem Namen gesucht, richtig – Claudia. Sie muß den Autonomen und wahrscheinlich auch den Atomkraft-Gegnern angehört haben, viel haben wir darüber nicht geredet, es gab wichtigeres. Die Stasi-Verhöre, die Ausweiskontrollen, die Beobachtungen, meine Begegnungen in Berlin und Leipzig und anderswo im Osten, wenn ich in Sachen »Umwelt-, Frieden- und Menschenrechte” unterwegs war. Meine Erlebnisse mit meinen »Widerstands«Freunden Thomas Pilz und »Ecke« Junghans – illegales drucken, verteilen, plakatieren und was weiß ich noch – zwischen dreiundachtzig und neunundachtzig habe ich ’ne Menge guter, wichtiger, verrückter Dinge »angestellt«.

Später sitze ich genau mit diesem Thomas Pilz vor den jungen Menschen einer neunten Klasse. Thomas »Pille« Pilz erzählt von seiner spannenden Vergangenheit als Sohn eines Pfarrers und seiner DDR-Wahrnehmung. Die ersten Fragen der Jugendlichen trudeln ein, es geht um Themen wie Überwachung, Staat, »Wer waren die Lehrer?«, »Wie lief es wirklich ab?«, »Wie seid ihr dazu gekommen, das zu tun, was ihr getan habt?«, »Woher hattet Ihr den Mut?«. – Ich hatte erst bedenken, aber nach dem Film war ich drin, es war kein Problem für mich zu antworten, den Schülern und am letztendlich auch mir selbst.

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